Der stärkste Trieb in der menschlichen Natur ist der Wunsch, bedeutend zu sein. John Dewey

Gibt es etwa eine bessere Motivation als den Erfolg?

Ion Tiriac

Aufraffen! Aufraffen Frau L.! Los komm schon. Schreib was. Dir geht so vieles im Kopf um. Versuch es los zu werden. Zumindest ansatzweise. Schreiben wird dir helfen. Hoffentlich. Aber wo anfangen. Mir geht so vieles im Kopf um und meine Motivation glänzt durch Abwesenheit…. der Erfolg bleibt aus.

Zurück aus Berlin.

Hauptstadt. Millionenstadt. Weltstadt. Metropole. Vielfalt. Flexible Ordnung. Aufregend. Anders. Schnell. Tolerant. Offen. Niemals Stillstand.

Dort zu wohnen kann ganz schön anstrengend sein.
Deswegen ging ich weg.
Jetzt bin ich hier.

Ruhe. Stille. Einsamkeit. Ordnung. 3 000 Einwohner Dorf. Regeln und Normen. Gleichheit. Langsam.

Alles hat seine Vor- und Nachteile. Ein Mittelwert wäre schön. Aber nun ist es so.

Eigentlich wollte ich im nächsten Beitrag über meine Mutter schreiben, und was an dem Wochenende passiert ist. Aber zwischenzeitlich, und auch davor schon, ist noch so viel anderes passiert, dass es mir schwer fällt, mich auf eine Sache zu beschränken.

Im Moment herrscht auf jeden Fall wieder ein Tief, obwohl es hier fast 30 Grad hat. Die letzten zwei Tage hatte es geregnet und etwas abgekühlt. Das fand ich ziemlich gut. Ich hatte mich darauf gefreut wieder etwas aktiver zu werden, und nicht die Hitze zur Ausrede nehmen zu können. Jetzt macht sie mir einen Strich durch die Rechnung. Rechnungen. Auch so ein Thema. Eigentlich müsste ich fünf Beiträge schreiben um alles unterzubekommen.

Wo fange ich an?



In Berlin!

Ich war in Berlin um Fotos zu machen. Und natürlich um meinen besten Freund zu besuchen!!! Alleine die Tatsache zu planen nach Berlin zu fliegen war seltsam für mich. Ich habe schon so lange nichts mehr unternommen. Und das ist auch ganz komisch. Denn erst seit zwei Jahren unternehme ich so gut wie nichts mehr. Ich war früher ständig unterwegs. Mich in mein Auto zu setzen und loszufahren war das Größte für mich. Roadtrips. Mehrere hundert Kilometer waren überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, ich fand es toll! Und diesmal? Diesmal war alleine die Vorstellung, knapp 900 km zu fahren, für mich unvorstellbar. Viel zu anstrengend. Alleine der Gedanke daran machte mich müde. Ich erkenne mich gar nicht wieder. Also überlegte ich, was ich bräuchte, um mich dazu zu motivieren. Meinen Hund gut versorgt zu wissen, und den Flieger zu nehmen, war die einzige Alternative.

Da fing das erste Problem schon an. Wo gebe ich meinen Hund hin? Mein Sozialpädagoge, dessen Hund ich schon über Nacht zu Besuch hatte, und der meinen Hund nahm, als ich vor zwei Wochen im Krankenhaus war um Platten und Schrauben entfernen zu lassen, sollte sie nehmen. Sie ist eine Hündin. Was eigentlich kein Problem sein sollte, denn sein Hund und mein Hund verstehen sich prima, mein Hund ist total entspannt im Umgang mit allem anderen – gut sozialisiert heißt es in der Fachsprache – und die restlichen Familienmitglieder meines Sozialpädagogen wurden schnell zum Fanclub meines Mädchens. Sie ist einfach mein kleines Mädchen. Auch wenn sie für viele alles andere als klein ist.

Doch plötzlich viel meinem Sozialpädagogen ein, dass das ja nicht professionell ist, und er meinen Hund deswegen nicht nehmen könnte.

Naja, ganz so stimmt es nicht, denn ich hatte ihm die Entscheidung abgenommen. Aber im Tenor, also unterm Strich, lief es darauf hinaus. Aber das ist eine andere Geschichte, allerdings ebenfalls eine von den vielen, die mich gerade beschäftigt.

Zum Glück habe ich während meines Krankenhausaufenthaltes wieder Kontakt zu einer meiner zwei Freundinnen hier bekommen. Und ich war ein Glückspilz. Denn sie hatte gerade Urlaub und konnte sich um mein Mädchen kümmern. Das hatte sie früher schon öfter getan und sie liebt sie. Genau genommen gibt es niemanden der sie nicht liebt. Sie ist einfach die geilste Töle auf der ganzen, großen Welt. Und Dank meiner Freundin, die ich endlich mal wieder gesehen hatte, und mich wahnsinnig drüber gefreut habe, konnte ich letztlich doch nach Berlin fliegen.

Liebe Freundin: Wir sehen uns zwar nicht oft, aber wenn´s drauf ankommt bist Du da. Und dafür ein ganz herzliches Dankeschön!!!!! Hdl

Also flog ich nach Berlin. Ich habe etwas unternommen. Nach der langen Zeit habe ich mal wieder etwas unternommen. Das war ganz komisch. Wie gesagt wollte ich u. a. nach Berlin um Fotos zu machen. Ich mache Mixed-Media-Collagen. Und ich wollte noch mehr Collagen über Berlin-Lichtenberg machen. Dort habe ich mal gewohnt. Mein bester Freund, der Gute, hat diese Collagen – eine hatte ich von ihm gemacht – dem Direktor vom Lichtenberg-Museum gezeigt. Und dieser war so begeistert, dass ich von ihm die Möglichkeit bekam noch mehr zu machen, und dort auszustellen. Er übergab dies seinem Archivar, und auch dieser bekundete in einer E-Mail, seine Begeisterung und Neugier auf mehr, und die Möglichkeit, wahrscheinlich nächstes Jahr dort auszustellen. Das war ein Ansporn für mich.

Die Möglichkeit etwas bedeutendes zu tun, und bedeutend zu sein.

Um also ausreichend Material für die Collagen zu haben, der Flug nach Berlin.

Als ich dort ankam – es war recht früh am Tag – war ich ganz angetan von den vielen Menschen und Eindrücken. Mein bester Freund holte mich am Bahnhof Lichtenberg ab, und ich musste erstmal ne Currywurst frühstücken. Dort am Bahnhof zu sitzen, das Berliner Hauptgericht zu verzehren, und die ganzen Menschen und Eindrücke auf mich wirken zu lassen, war wie Balsam für meinen Geist. Endlich wieder Input. Geistige Nahrung. Ich wollte einfach nur dort sitzen. Jeder der Loriot kennt weiß was ich damit meine. Die nächsten Tage waren toll. Ich blieb alle paar Meter stehen, weil ich etwas fotografierenswertes entdeckte. Durch ein Fotografenauge sieht man die Welt ganz anders. Das finde ich total schön. Ich hatte mir sogar einen Roller gemietet um flexibler zu sein. Und Lichtenberg ist echt groß. Alleine Lichtenberg zählt schon über 280 000 Einwohner. Und da mein Fuß noch nicht so belastbar ist, war die Sache mit dem Roller eine gute Idee. Allerdings habe ich festgestellt, dass ich selbst mit einem Roller noch viel zu schnell bin. Ein Fahrrad wäre wohl noch besser gewesen. Aber dazu war ich zu faul. Wie gesagt, 280 000 Einwohner. Dennoch war es toll. Ich habe so viele Fotos gemacht und konnte mir schon vorstellen wie sie in etwa auf den Collagen wirken würden. Alte Freunde habe ich auch wieder gesehen und wir hatten einen großartigen Abend. Sowas fehlt mir hier. Und die Offenheit der Menschen. Einen blöden Spruch loszulassen und jemand völlig fremdes steigt drauf ein. Großartig!

Mein bester Freund hatte dann den Archivar von dem Museum kontaktiert, und dieser fand am Telefon, dass es eine ganz tolle Idee sei sich zu treffen, und er es richtig toll fände mich mal persönlich kennenzulernen. Also gingen wir am Freitag dort hin. 10:00 Uhr Vormittags, also quasi mitten in der Nacht. Als er mich sah, schüttelte er mir die Hand, geleitete uns in ein Zimmer in dem wir Platz nahmen und meinte dann: „Und sie wollen mir jetzt also was zeigen!?“ Er wirkte total distanziert und abweisend, als würden wir ihm wertvolle Zeit rauben und als wäre er froh uns so bald als möglich wieder loszuhaben. Sein Blick war kalt und seine Körperhaltung zurückweisend und steif. Wir hatten extra die Collage von meinem besten Freund mitgenommen, um ihm zu zeigen wie sie in echt wirkt, und ich hatte weiter Collagen, als Foto, auf meinem Laptop dabei. Allerdings war ich über diese Frage etwas erstaunt, denn in erster Linie sollte es doch darum gehen, sich mal persönlich kennenzulernen. Naja, wir zeigten ihm das Bild und er wiederholte seine Aussage, dass er die Collagen ja ganz toll fände. Als ich ihm dann weitere auf dem Computer zeigen wollte, sah er nur flüchtig hin. Diesem mangelndem Interesse gezollt, hatte ich kein Bedürfnis ihm alle zu zeigen und klappte den Laptop wieder zu. Ich ergriff das Wort und verwies auf sein Angebot, nächstes Jahr dort ausstellen zu können, worüber ich mich sehr freute. Da hakte er sofort ein und sagte, dass das ja keine Zusage gewesen sei.

Das war erstmal ein Schlag in die Fresse!

Ich erzählte ihm, dass ich extra nach Berlin gekommen sei, um noch mehr Bildmaterial für die Lichtenberg-Collagen zu bekommen. Da zeigte er seine erste emotionale Reaktion. Erstaunen machte sich für einen kurzen Moment in seinen Augen breit, aber er hatte sich schnell wieder im Griff.

Das ich vielleicht auch erst 2021 dort ausstellen könne, hatte er bereits in seiner E-Mail geschrieben. Aber nun verkündete er, dass es wohl eher noch später, wenn überhaupt dazu käme. Von seiner Neugier und Begeisterung, und von seinem Interesse daran mich kennenzulernen, war nichts zu spüren. Gar nichts! Aber auch überhaupt gar nichts!

Ich gab ihm dann meine Visitenkarte und sagte ihm, wenn er sich dazu entschließen sollte, meine Collagen ausstellen zu wollen, könne er sich ja bei mir melden.

Es war mein letzter Tag in Berlin. Zum Glück. Sonst hätte ich den Rest nicht genießen können.

Jetzt heißt es wieder: Aufraffen! Aufraffen Frau L.! Los komm schon!

Ich werde mich aufraffen. So wie ich mich aufgerafft habe diesen Beitrag zu schreiben. Berlin war nur eines der Dinge die mich zur Zeit demotivieren. Über den Rest schreibe ich ein andermal.

 

 

Eure Frau L.

Eine Antwort auf „Der stärkste Trieb in der menschlichen Natur ist der Wunsch, bedeutend zu sein. John Dewey

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