„Über nichts wird flüchtiger geurteilt als über die Charaktere der Menschen, und doch sollte man in nichts behutsamer sein.“ Georg Christoph Lichtenberg deutscher Physiker und Schriftsteller (1742 – 1799)

Menschen und Dinge verlangen verschiedene Perspektiven. Es gibt manche, die man aus der Nähe sehen muß, um sie richtig zu beurteilen, und andere, die man nie richtiger beurteilt, als wenn man sie aus der Ferne sieht.

François VI. Herzog de La Rochefoucauld
französischer Schriftsteller und Moralist (1613 – 1680)

So, dass Auswertungsgespräch ist gelaufen.

Ergebnis:

Der zweite Berufswunsch wird auch abgelehnt, da ich, obwohl die hauptsächliche Tätigkeit eine konzeptionelle ist, immer noch zu viel mit anderen Menschen zu tun habe.  Aussage vom Sachbearbeiter dazu war, wenn ich zu 80% konzeptionell, und nur zu 20% mit anderen Menschen zu tun habe, dann könnte er dem zustimmen, aber bei mehr Kontakt zu anderen, kann er dem nicht zustimmen. Seine Begründung liegt in meiner Diagnose.

Obwohl in dem Gespräch von allen Seiten, der Psychologe der Einrichtung in der ich gerade arbeite, die Abteilungsleiterin – meine Vorgesetzte die meine Arbeit beurteilt – und meine Therapeutin, bestätigt wurde, dass ich meine Arbeit ausgezeichnet mache, es überhaupt keine Schwierigkeiten mit mir gab, ich alle Basiskompetenzen erfülle, sogar schwierige Situationen ohne Probleme gemeistert habe – darüber hier mehr – und ich mich völlig A-typisch zu meiner Diagnose verhalte, hat mein Sachbearbeiter auf seinen Standpunkt beharrt. Die genaue Begründung habe ich im Beitrag „Fehler im System“ geschildert. Zu meiner genauen Diagnose habe ich hier geschrieben, und der nächste Beitrag wird diese Diagnose noch ausführlicher betrachten.

Vorträge zu halten ist im Übrigen eine meiner Stärken. Das habe ich ihm auch gesagt. Und außerdem ist es ein großes Interesse von mir. Das hat ihn aber nicht interessiert. Ich habe ihn gefragt was ich denn für Möglichkeiten hätte, und welche Berufe denn für ihn in Frage kämen. Das konnte er mir nicht sagen, denn er könne mir nicht irgendwelche Berufe vorgeben. Auch welche weiteren Kriterien erfüllt werden müssen würde er mir nicht sagen, damit müsse ich mich schon selbst beschäftigen. Dass ich nicht dort bleibe wo ich gerade bin war klar, denn alle an meinem derzeitigen „Arbeitsplatz“ haben gemerkt dass die Begeisterung dafür fehle. Aber das was mich wirklich begeistert, darf ich nicht machen. Herzlichen Glückwunsch!

Es war wirklich ein extrem schwieriges Gespräch für mich. Ich habe im Prinzip wieder das gleiche Trauma erlebt, das zu zu meinen Triggern geführt hat. Ich bin zwar heute kein Kind mehr, aber dennoch bin ich gerade abhängig von einer Person, die eine Machtposition hat, und über mein Leben bestimmt. Ich bin völlig fremdbestimmt, und habe nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Das würde jedem zu schaffen machen!

Ich bin an diesem Tag früher nach Hause gegangen, weil ich völlig Out of Order war. Meine Vorgesetzt war sehr verständnisvoll und meinte, sie würde nicht mit mir tauschen wollen. Den Rest des Tages hatte ich mit meinen Glaubenssätzen zu kämpfen. Es würde ja sowieso alles nichts bringen, egal wie sehr ich mich bemühe und anstrenge, und es würde ja sowieso niemanden interessieren wie es MIR geht, was ICH will, und was MEINE Bedürfnisse sind. Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, wie ich diesen Sachbearbeiter dazu motivieren kann, mich als mich zu sehen, und nicht als Diagnose. Wenn ich mich doch schon so A-typisch verhalte.

Ich glaube das wird mein Wort des Jahres 2019! A-typisch

Am nächsten Tag habe ich nochmal um einen Termin beim hauseigenen Psychologen gebeten, und bekommen. Er gab mir dann einen guten Hinweis. Ich werde nun meine Psychiaterin bitten, ob sie diese Diagnose mit mir nochmal differenzierter betrachten kann. Denn irgendwie muss man ja auch konkretisieren können, was mein Verhalten so A-typisch macht.

Ich kann das Wort schon gar nicht mehr aussprechen, ohne dabei irgendeine Grimasse zu ziehen und die Stimme zu verstellen. So nasal irgendwie. Könnt ihr Euch das vorstellen? Ich kann das gar nicht schreiben, so wie ich es spreche.

Oh mein Gott. Zurück zum Thema.

Also, wenn das irgendwie möglich ist, sie dann darüber einen separaten Bericht verfasst, ich allen Anforderungen nachkomme und mich nochmal intensiv mit dem Beruf und eventuellen Alternativen beschäftigt habe, werde ich damit erneut auf meinen Sachbearbeiter zugehen und ihn bitten, sich die Diagnose, und mich, nochmal differenzierter zu betrachten.

Und wenn er dann immer noch nicht einlenkt, hau ich ihm in die Fresse! Nein, dass mach ich natürlich nicht! Ein Choleriker würde komplett ausflippen, und sich um ein vielfaches schlimmer aufführen als ich das je würde, aber für den gibt es ja noch nicht mal ne Diagnose! Und mal wieder ist das Leben kein Ponyhof. Ach wär ich doch bloß Autist. Nein, will ich natürlich auch nicht. Nicht dass mich hier noch jemand ernst nimmt.

Wenn man mich nicht auf zu viele Menschen loslassen darf, darf man mich dann überhaupt aufs Internet loslassen? Hm… Meine Güte, wenn das mein Sachbearbeiter wüsste. Bekäme ich dann blogger verbot? Also am besten schreibt Ihr keine Kommentare auf die ich evtl. antworten könnte, sonst wäre es ja eine zu hohe Anforderung an meine interaktionellen Kompetenzen! Denkt an meine Gesundheit. Free Willy!

 

Eure Frau L.

2 Antworten auf „„Über nichts wird flüchtiger geurteilt als über die Charaktere der Menschen, und doch sollte man in nichts behutsamer sein.“ Georg Christoph Lichtenberg deutscher Physiker und Schriftsteller (1742 – 1799)

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