Fehler im System

“ Die Kinder lernen in der Schule, dass Ehrlichkeit, Lauterkeit und die Sorge um das Seelenheil die leitenden Prinzipien des Lebens sein sollten, während das „Leben“ lehrt, dass die Befolgung dieser Grundsätze uns bestenfalls zu weltfremden Träumern macht.“ Erich Fromm

„Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein“ (Jiddu Krishnamurti)

Heute ist mal wieder einer von diesen Tagen. Also eigentlich ist ja jeder Tag so einer, nur heute ist es wieder so schlimm. Ich bekomme nichts hin, bekomme kaum Luft, möchte am liebsten die ganze Zeit heulen, meine Mundwinkel haben vergessen wie es ist zu lächeln, und ich kann nichts dagegen tun. Ich halt mich selbst nicht aus.

Nachdem ich letzte Woche die Nachricht von meinem Sachbearbeiter bekommen habe, ich soll bei meinem angestrebten Berufswunsch – nachdem ich mir wochenlang den Kopf zerbrochen habe – doch eher mit einer Ablehnung rechnen, darüber habe ich in diesem Beitrag geschrieben, habe ich mich erneut, eingehend mit diesem Thema beschäftigt. Ich war im Berufsinformationszentrum, bei einer Laufbahnberatung. Zum zweiten Mal.

Kurzer Gedankeneinwurf:
Es fällt mir gerade richtig schwer diesen Beitrag zu schreiben. Ich kann mich kaum konzentrieren und bin einfach so leer. So leer an allem. Aber da mir das rumsitzen auch so auf die Nerven geht, und an aufräumen, rasenmähen oder sonstige Aktivitäten erst recht nicht zu denken ist, versuche ich eben dass hier. Und wenn nur ein fremder Mensch diesen Beitrag liest und vielleicht gut findet, dann war er schon wenigstens nicht umsonst. Dann hat es wenigstens irgendwas gebracht.

Das Gefühl, dass es sowieso alles nichts bringt. Ein Glaubenssatz? Darüber habe ich einen separaten Beitrag geschrieben. Aber sind es nicht viel mehr Erfahrungen? Erfahrungen aus der Vergangenheit die sehr tief sitzen, sich in der Gegenwart widerholen, und Trigger auslösen? Darüber habe ich in diesem Beitrag geschrieben. Aber ein Trigger ist ja nur ein Erlebnis, das Gefühle aus der Vergangenheit weckt, in der Gegenwart aber nicht mehr so bedrohlich ist, wie es in der Vergangenheit war. Hm. Ist das gerade wirklich so? Ich bin seit 1 1/2 Jahren krankgeschrieben, weil ich nicht mehr die Kraft, Energie und Stabilität habe, meinen alten Beruf auszuüben. Ebenfalls schaffe ich es nicht mehr, mich aus eigener Kraft beruflich weiterzuentwickeln. Also habe ich mir Hilfe, bei einer dafür zuständigen Behörde gesucht. Jetzt bin ich hier aber genau so abhängig, wie ich es damals war. Natürlich, ich bin jetzt erwachsen, aber sie entscheiden, wie mein Leben in Zukunft aussieht. Sie entscheiden auch gerade, wie meine Finanzen aussehen. Niemand zwingt mich diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber welche andere Wahl habe ich denn? Wäre ich dazu in der Lage es alleine zu schaffen, wäre ich nicht zu ihnen gegangen.

Jedenfalls war ich bei der Laufbahnberatung – um wieder darauf zurück zu kommen – und musste der guten Frau irgendwie erklären, warum ich denn mit einer Ablehnung meines Berufswunsches rechnen soll. Schließlich kann sie mir nur effizient dabei helfen, etwas passendes zu finden, wenn sie weiß worum es genau geht. Sie kannte mich schon von meinem letzten Besuch. Also habe ich all meinen Mut zusammengenommen, sie gebeten, mich wenn möglich nicht in eine Schublade zu stecken, und ihr von meiner Diagnose erzählt. Sie war wirklich sehr freundlich und respektvoll zu mir. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Ich habe ihr von der aktuellen Situation erzählt, und sie meinte, dass das ja schon schwierig für jemanden wäre, der nicht so ein Päckchen zu tragen hätte. Wir sind zu einem weiteren Berufszweig gekommen, bei dem ich dann nicht so viel mit anderen Menschen zu tun hätte. Wenn ich darüber so nachdenke klingt das, als wäre ich ein Monster, dass man nicht auf die Menschheit loslassen könnte.

Noch ein Gedankeneinwurf:
Ich muss dabei an Situationen denken wie z. B.: Ich bin in einer Einrichtung angestellt. Eine Kollegin von mir wird rausgemobt. Es betrifft mich gar nicht, aber es triggert mich. Ihr werden Dinge vorgeworfen die zum größten Teil erfunden sind. Das weiß ich deswegen, weil ich bei einigen der Vorwürfe dabei war, und bestätigen kann, dass diese Vorwürfe ungerechtfertigt sind. Ihr Dienstplan wurde plötzlich völlig rücksichtslos gestaltet. 10 -15 Tage Dienst am Stück waren auf einmal nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel, und noch vieles mehr.

Und nur weil mich so etwas triggert, ich solche Machenschaften nicht aushalten kann, und auch gar nicht will, bin ich der Mensch, der am besten von anderen Menschen ferngehalten werden soll???? Ja bin ich denn im falschen Film oder was? Hier geht es doch um Grundwerte und Grundsätze, interessieren die überhaupt noch jemanden wirklich?

Da wären wir dann wieder bei dem Thema – „Und Sie Sir… Sie sind ein Affenarsch“  -wenn es mich nicht triggern würde, wäre es mir egal. Aber im Ernst! Soll einem sowas wirklich egal sein? Also wenn Menschen, die so etwas machen, nicht krank sind, nur weil sie keine Diagnose haben, dann will ich niemals gesund werden. Sowas lässt man auf die Menschheit los, und vom Rest wird erwartet, dass er einfach wegguckt, dann ist alles ok. So funktioniert unsere Gesellschaft!

Ob die zweite Berufswahl der Behörde besser gefällt, steht noch in den Sternen. Langsam weiß ich auch schon gar nicht mehr was ich wirklich will. Um so mehr ich darüber nachdenke, um so verwirrter werde ich. Aber ich kann mir nicht einfach keine Gedanken darüber machen. Es geht doch um MEIN Leben, um MEINE Zukunft. Wie sollte ich denn da die Hände in den Schoß legen und Tee trinken. Mal abgesehen davon, dass ich sowieso keinen Tee trinke. Und was glauben die denn dann, was zumutbar wäre – für die Gesellschaft? Und was ist mit mir? Und was ist jetzt der Unterschied zu früher, außer dass ich nicht mehr in die Windeln mache? Wo mache ich hier gerade eine positive Erfahrung?

Ich kann keine sehen und es fühlt sich scheiße an!

 

Im Zweiminutentackt gehen hier gerade die Urlaubsflieger in die Luft.
Ich will auch!
Mag mir vielleicht jemand eine Woche Griechenland spendieren?


Tut mir leid wenn das heute vielleicht etwas chaotisch geschrieben war, aber ich bin durch.

 

Eure Frau L.

2 Antworten auf „Fehler im System

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