„Dort, wo Bürokratie gewissenhaft arbeitet, gehen gute Ideen öfter mal stempeln“ Thom Renzie

„Die Wirtschaft in allen Ländern wäre doppelt so stark, wenn die Bürokratie halb so stark wäre“
Siegfried Bruckbauer

„Wir werden die Befreiung von den Fesseln der Bürokratie durch alle Hierarchiestufen treiben. Die Leute sollen endlich Spaß an der Arbeit haben.“
Jack Welch (*1935) amerik. Topmanager, 1988-2001 Präs. General Electric, „der härteste Manager der Welt“ (Financial Times)

Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, zu diesem Thema gleich mehrere Zitate zu nehmen. Ich finde sie allesamt so passend.

Von Freitag bis heute, Sonntag, habe ich so schlimme Atemnot, und einen nervösen Magen, dass ich stellenweise am liebsten kotzen würde. Nur dafür reicht es nicht. Auslöser war eine Antwort E-Mail, von dem zuständigen Sachbearbeiter der Behörde, die für meine Eingliederung ins Berufsleben, und somit auch für meine Zukunft verantwortlich ist.
Dieser ganzen Angelegenheit voran geht, dass ich mich möglichst selbstständig um meine berufliche Zukunft kümmern soll, so steht es in den Richtlinien der Behörde, und die Kosten dafür so gering wie möglich halten soll. Soweit, so gut. Also habe ich mich damit ausgiebig beschäftigt, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle. Darüber habe ich auch schon in diesem Beitrag geschrieben.

Nach vielen Überlegungen, ausgiebigen Recherchen, einem Besuch im Berufsinformationszentrum, etlichem Abwägen von Wenn und Aber, mit einkalkulieren von allen, mir einfallenden Risikofaktoren, miteinbeziehen meiner Fähigkeiten, Ressourcen, Stärken und Schwächen, und endlosem Kopfzerbrechen – ich habe es mir also wirklich leicht gemacht – bin ich nun zu einem Ergebnis gekommen, welches ich mir für meine Zukunft vorstellen kann, und was für mich auch Sinn macht.

In diese Überlegung muss ja auch mit einberechnet werden, dass ich in meinem Alter nicht mehr mal ebenso ganz von vorne anfange, sondern am besten auf das aufbaue, was ich bereits mitbringe. Und das ist eine ganze Menge. Also würde ich das einfach wegwerfen, wären es Perlen vor die Säue. Und bei allem, was ich ganz von Anfang an beginnen müsste, bräuchte es erst etliche Jahre, bis ich mir das Wissen und Können angeeignet hätte, was ich bisher in meiner angestammten Branche durch Ausbildung, Studium und Weiterbildungen bereits erlangt habe. Es bräuchte also sehr viel Zeit, die ich mir gerne sparen würde, um auf das selbe Niveau zu kommen.

Wie man also erkennen kann, ist das eine Angelegenheit, die sehr viele Überlegungen erfordert.

Nun bin ich also zu einem, für mich denkbarem, Resultat gekommen, und habe dies meinem Sachbearbeiter mitgeteilt.

Seine Antwort war, ich solle doch eher mit einer Ablehnung rechnen, da ein Anspruch auch ein Ausschluss von beruflichen Risikofaktoren bedeutet. In meinem Fall wären dies „keine erhöhten Anforderungen an die interaktionellen Kompetenzen“.

Das ist eine Begründung, die ja meinetwegen grundsätzlich erstmal nachvollziehbar ist, wenn man denn den Satz verstanden hat. Was ich aber so überhaupt gar nicht nachvollziehen kann ist, wie kann ein Mensch, der einen anderen Menschen erst einmal gesehen hat, und ihn sonst nur aus Berichten kennt, beurteilen??? Darüber habe ich auch hier schon geschrieben. Wie soll dieser Mensch entscheiden können, was ich kann und was ich nicht kann, was mir gut tut und was mir nicht gut tut, was für mich sinnvoll ist und was nicht??? Wenn meine Therapeutin, die mich jetzt seit 1 1/2 Jahren kennt, in diese Beurteilung mit einbezogen worden wäre, aber die wurde ja noch nicht einmal gefragt. Und wie sollen die denn überhaupt herausfinden wofür ich wirklich geeignet bin und wofür nicht, wenn die sich gar nicht mit mir auseinandersetzen?

Das steht in den Richtlinien der Behörde:

Berufsberatung

Die Berufsberatung dient der Erfassung des Versichertenprofils. Dabei werden die Fähigkeiten und Interessen der versicherten Person sowie ihre Neigungen im Hinblick auf die Ausübung einer geeigneten, auf die gesundheitliche Beeinträchtigung zugeschnittenen beruflichen Tätigkeit festgehalten. Die Beratung richtet sich an Personen, die wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in ihrer Berufswahl oder in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit beeinträchtigt sind. Die Leistung beinhaltet Beratungsgespräche und falls erforderlich psychologische Tests. Unter gewissen Umständen können praktische berufliche Abklärungsmassnahmen auf dem Arbeitsmarkt oder in spezialisierten Institutionen durchgeführt werden

 

Diese praktische berufliche Abklärungsmaßnahme absolviere ich gerade, aber von dem Rest der da steht ist bisher nicht viel passiert. Für meine Fähigkeiten und Interessen hat sich bisher nicht wirklich jemand interessiert, oder sich jemand näher damit auseinandergesetzt. Ich wurde einmal gefragt was ich mir denn vorstellen würde. Aber das war es auch schon. Und wie gesagt, nachdem ich mir wochenlang den Kopf zerbrochen, und alle möglichen Überlegungen angestrebt habe, um dann ein Resultat vorzuweisen, wurde es einfach schon mal als abgelehnt eingestuft, ohne dass sich jemand mit mir darüber auseinandergesetzt oder nach möglichen Alternativen geschaut hätte.

Mir stellt sich also die Frage, für wen soll das denn auf diese Art und Weise wirklich nützlich sein???

Gut, ich habe noch die Hoffnung, dass da noch mehr passieren wird, allerdings ist diese ziemlich gering.

Ich meine, solche Behörden stellen ja immer den Anspruch, dass alles was sie tun, so wenig wie möglich kosten soll. Nun nehme ich an dieser Abklärungsmaßnahme teil. Die dauert einige Zeit und kostet Geld. Dass was sie dort in Erfahrung bringen, hätten sie auch schon anhand meines Aufenthaltes in der Tagesklinik in Erfahrung bringen können.

Nämlich:

  • komme ich jeden Tag,
  • komme ich pünktlich,
  • wie verhalte ich mich in Stresssituationen,
  • wie gehe ich mit anderen um, etc..

    Damit wären schon einige Tausend eingespart.

Und würde sich wirklich jemand von dieser Behörde, oder eine damit beauftragte Fremdfirma, mit mir auseinandersetzen, um herauszufinden welche Tätigkeit tatsächlich für MICH geeignet ist, dann wäre auch das Risiko eines „Rückfalls“, oder weiteren Erkrankung um ein Vielfaches minimiert, welches zur Folge hätte, wieder ein Fall für Behörden zu werden, und wieder Gelder in Anspruch nehmen zu müssen.

Gelder des Staates, Gelder der Steuerzahler = Bruttoinlandsprodukt.

Den Mensch ganzheitlich zu betrachten ist ja nun wirklich kein Geheimnis mehr. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert, und nicht mehr im Mittelalter, in dem Heilkräuter als Hexenwerk angesehen, und selbige auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Aber wie lange eiern wir mit diesem Wissen denn schon rum? In anderen Ländern wird dieses Wissen schließlich auch schon stellenweise erfolgreich angewendet. Also, was braucht es? Ich verstehe es nicht. Wenn es wirklich um Geld geht, sollte man aufhören wie eine Eintagsfliege zu denken, denn damit säge ich doch nur an meinem eigenen Stuhl. Dieses Argument erschließt sich mir also auch nicht. Und ich hab nun wirklich nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber ich bin wenigstens in der Lage mein Gehirn auch zu benutzen, und nicht nur zu besitzen.

Umso besser ich dafür sorge, dass die Menschen ihre Arbeit gerne, und damit auch gut machen, umso besser geht es jedem. Denn alles hängt zusammen.

Was kann man also tun, um ein Umdenken zu bewirken????

Sollte ich in meinen Überlegungen irgendetwas übersehen oder falsch geschlussfolgert haben, bin ich gerne für konstruktive und verständliche Kritik (kein Bürokratendeutsch, sondern so, dass es auch eine siebenjährige verstehen würde – übrigens ein weiterer Mangel dieser Gesellschaft) offen.

Und ist es nicht mehr als verständlich, dass man bei diesen Voraussetzungen, und in dem Wissen, was alles zusammenhängt, einfach mal Panik bekommt? Schließlich bin ich keine Eintagsfliege. Die hat´s gut.

 

Eure Frau L.

 

6 Antworten auf „„Dort, wo Bürokratie gewissenhaft arbeitet, gehen gute Ideen öfter mal stempeln“ Thom Renzie

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