„Und sie Sir…. Sind ein Affenarsch!“ Lisa Simpson

Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.

Aristoteles

Den ganzen Tag schon sitze ich hier rum. Vor meinem Haus. Es regnet. Zum Glück habe ich ein Vordach, da werde ich wenigstens nicht nass. Ich versuche die ganze Zeit mich zu irgendwas zu motivieren. Vergebens.

Vor ein paar Monaten habe ich Mixed-Media-Collagen für mich entdeckt. Ich habe verschiedene Techniken recherchiert und losgelegt. Das hat mir total viel Spaß gemacht. Die Bilder sind sogar so gut geworden, dass ich eine Ausstellung angeboten bekommen habe. Jeder, der sie bis jetzt gesehen hat, war begeistert.
Meiner Mutter habe ich nichts davon erzählt. Ich bin ja kein Masochist. Normalerweise sollte eine Mutter stolz auf das sein, was ihr Kind geschafft hat, oder macht. Aber an meiner geht das irgendwie vorbei. Ich wünschte, ich könnte es mit ihr teilen, und sie könnte sich für die Dinge begeistern. Ich weiß gar nicht, ob sie sich überhaupt für etwas begeistern kann. Also, ich mein so richtig. So mit nem Strahlen in den Augen.

Naja. Jedenfalls hab ich am Anfang bestimmt fünf Bilder nacheinander gemacht und war total begeistert. Ich war so froh wieder etwas gefunden zu haben was mir Spaß macht. Doch nach ca. zwei Monaten, war selbst dafür die Motivation verschwunden. Vor nem Monat hab ich wieder ein Bild angefangen. Aber schon nach kurzer Zeit konnte ich mich wieder nicht mehr dazu aufraffen. Und dann lag es eine ganze Zeit lang rum. Die letzten zwei Tage hab ich mich dann wieder ans Werk gemacht. Aber nicht weil ich Lust dazu hatte. Das wäre schön gewesen. Nein. Einfach nur weil mir das rumsitzen, und keine Lust auf nichts zu haben, so dermaßen auf den Sack gegangen ist. Jetzt habe ich es fertig gemacht. Es sieht gut aus. Es gefällt mir. Aber es bringt mir keine Freude.

Ich könnte ausflippen. Das macht mich wahnsinnig. Keine Freude an nichts zu haben. Keine Begeisterung mehr zu spüren. Kann das bitte endlich mal wieder aufhören??? Ich dreh noch durch. Ich weiß nicht, ob man sich das auch nur ansatzweise vorstellen kann, wenn es einem nicht selbst so geht. Und ich hab nicht den blassesten Schimmer was ich dagegen tun soll. Ich weiß gar nicht was mich mehr zum Verzweifeln bringt. Keine Freude mehr an irgendwas zu haben, oder nicht zu wissen was ich dagegen tun soll.

Meine Therapeutin fragt mich in solchen Situationen immer, was ich denn bräuchte.

Und ich überlege was ich bräuchte. Ich versuche in jede Richtung zu denken. Ich zermartere mir das Hirn darüber was ich bräuchte. Und egal wie oft ich darüber nachdenke, ich komme immer wieder zu nur einem Gedanken.
Jemanden der mich wahrnimmt und liebt.

Aber man soll ja nicht im Außen suchen, sondern im Inneren.

Ich habe letztes Jahr, zum ersten Mal in meinem Leben, einen Mann kennengelernt, bei dem ich mich gesehen gefühlt habe. Bei dem ich mich sexy gefühlt habe. Bei dem ich mich wie eine richtige Frau gefühlt habe. Das erste Mal, dass ich wirklich das Gefühl hatte, es geht um mich. Er findet mich um meinet Willen gut. Er hatte aufrichtiges Interesse, und hat WIRKLICH versucht zu verstehen. Er ist auf mich eingegangen. Und er hatte das Selbstbewusstsein das man braucht, um so auf jemanden zugehen zu können.


Die meisten Männer, die ich bis jetzt kennengelernt hatte, waren entweder selbst so unsicher, dass sie von meiner starken Persönlichkeit profitiert hatten, oder es waren irgendwelche narzisstischen Persönlichkeiten, die einfach nur einen gutaussehenden Vorzeigegegenstand an ihrer Seite wollten.


So etwas, wie mit diesem Mann von letztem Jahr, hatte ich noch nie erlebt. Leider können wir nicht zusammen sein, was mir immer noch zu schaffen macht.

Nur kann man sein Glück doch nicht von jemand anderem abhängig machen. Also warum komme ich immer wieder auf diesen Gedanken, und warum lässt mich die Erfahrung vom letzten Jahr nicht los?

Weil es ganz ureigene Bedürfnisse angesprochen hat, die in früher Kindheit nie erfüllt wurden.
Mir geht diese Leier selbst so dermaßen auf die Nerven, but that´s it.

Aber diese Bedürfnisse kann niemand mehr stillen. Klar, wenn man jemanden an seiner Seite hat, der einem das so geben kann wie ich es erlebt habe, dann kann es das Ganze etwas lindern. Und es ist bestimmt auch hilfreich so jemanden zu haben. Aber was, wenn man so jemanden nicht hat? Meine Eltern können das versäumte nie wieder aufholen. Mein Vater nicht, weil er sich lieber aus dem Staub gemacht hat, und meine Mutter wird sich nie ändern.

Sie ist viel zu sehr damit beschäftigt der Wahrheit aus dem Weg zu gehen, und alles zu verdrängen. Und ich steh jetzt da mit dem Scheiß.

Und dann hört man so Sprüche wie:

  • Du musst nur an Dich selbst glauben.
  • Du musst dich nur selbst lieben.
  • Du musst nur positiv denken.
  • Du musst nur…
  • Du musst nur…
  • Du musst nur…

Alter, NUR????

Würde ich mich nicht selbst lieben, würde ich schon lange nicht mehr auf dieser Kugel rumlaufen.

JA! Ich liebe mich! Ich find mich richtig gut! Ich seh gut aus, ich bin intelligent, ich hab Humor, und ich kann ganz viele Dinge. Ich hab total viele Ressourcen und Fähigkeiten.
Und JA, ich glaube auch an mich. Weil ich weiß dass ich ganz vieles kann. Sonst hätte ich bis jetzt nicht schon so viel geschafft. Und das alleine.
UND die meiste Zeit denke ich auch positiv.
Zugegeben, dass klappt nicht immer so gut – besonders wenn´s mir so geht wie im Moment – aber generell bin ich ein positiv denkender Mensch.

Aber auch ich hab eben meine Grenzen!

Glauben die Menschen, die solche Überzeugungen kund tun, denn nicht, dass man schon selbst auf die Idee gekommen ist, und dass, wenn es so einfach wäre, man dann immer noch so unterwegs wäre? Denken die etwa ich mach das zum Spaß? Wenn sie nichts anderes als solche dämlichen Floskeln von sich geben können, dann soll´n sie doch bitte s´Maul halten.

Und genau das meine ich. Auf jemanden wirklich eingehen. Sich mit seinem Gegenüber auseinandersetzen. Echtes, ehrliches Interesse haben. Und nicht nur solche Binsenweisheiten rausposaunen, nur damit die Luft scheppert.

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.
Oder nachfragen.

Ja, ich weiß, das ist ein Trigger, und ich reg mich schon wieder total auf. Danke Mama!

Aber mal im Ernst, Trigger hin oder her. Über solche Dinge reg doch nicht bloß ich mich auf. Das sind Themen, die jeder bemängelt. Mir wurde mal gesagt, wenn es mich nicht triggern würde, wäre es mir egal. Das wäre der Idealzustand.
Hm, einerseits fände ich es super, wenn mir solche Dinge egal wären. Andererseits frage ich mich, wer würde dann die Welt verändern? Wer würde dann Dinge verbessern wollen. Wenn sich jeder in so einem „Idealzustand“ befinden würde, und jedem solche Dinge egal wären, dann würde doch nichts mehr passieren, oder? Also wie fühlt sich das an, dieses nicht getriggert sein. Oder welches Maß an Aufregung ist angemessen? Wieviel Aufregung braucht es, um einen Zustand verändern zu wollen?

Aber generell geht unsere westliches Gesellschaft ja sowieso eher zu dem Trend:

Geht mich nix an! Was? Mein Kollege wird gemobbt? Oh, da mische ich mich lieber nicht ein. Schau mal, da wird jemand verprügelt…. Bloß schnell weg.

Sind es nicht die Menschen die etwas nicht ertragen können, die die Dinge verändern, weil sie es nicht ertragen können?

Und genau so will ich diesen Zustand der Freudlosigkeit verändern, und weiß nicht wie. Das macht mich so wütend dass ich brüllen könnte. Und am liebsten würde ich meine Mutter anbrüllen. Weil ich es u.a. ihr zu verdanken habe. Weil es sie immer noch nen Scheiß interessiert wie es mir geht. Weil sie sich immer noch vor der Verantwortung drückt. Weil sie immer noch wegläuft und mich damit alleine lässt. Ich bin nicht so auf die Welt gekommen. Sondern ich bin so geworden weil sie es versäumt hat sich zu kümmern. Es geht nicht drum dass man keine Fehler machen darf. Jeder Mensch macht Fehler, nur so lernt er dazu. Vorausgesetzt er will lernen. Aber man muss wenigstens zu seinen Fehlern stehen, sich dafür entschuldigen und versuchen es wieder gut zu machen. Aber nicht davonlaufen, sich verstecken, und so tun, als hätte man mit der ganzen Sache nichts zu tun!!!!!

AAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHH!

Solche Dinge passieren auf der ganzen Welt. Menschen machen Fehler, andere kommen zu Schaden, aber keinen interessiert es. Sie werden nicht zur Rechenschaft gezogen. Klar, wenn einer schwarz fährt, bekommt er eine Geldstrafe. Wenn jemand wo einbricht, geht er in´Knast. USW. Aber das mein ich nicht.

Ich meine die Dinge, die nicht gesetzlich geregelt sind.

Wie oft hat schon jemand, jemand anderen beleidigt, verletzt, oder unrecht getan, ohne sich dafür zu entschuldigen, weil er zu stolz dazu war, oder Angst hatte sein Gesicht zu verlieren? Und da brauche ich gar nicht bei den Politikern anfangen. Wenn jeder vor seiner eigenen Haustüre kehren würde, wäre schon viel gewonnen. Und da nehme ich mich selbst nicht raus. Oder auch mal im Umkehrschluss, ein nettes Wort mehr gesagt.

In diesem Sinne: Ich find mich gut!

 

Eure Frau L.

 

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