„Wahrheiten, die niemanden verärgern, sind meist nur halbe.“ Jupp Müller

„Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.“

Jupp Müller

In meiner Eingliederungsmaßnahme soll ich mein Arbeitspensum jetzt von 50% auf 60% steigern. Letztens gab es dazu ein Gespräch darüber wie es bis jetzt läuft.

Ich habe dort eine Tätigkeit in der Druckvorstufe. Darin hatte ich vor vielen Jahren mal eine Ausbildung gemacht. Es wurde festgestellt dass ich jeden Tag, überpünktlich zur Arbeit erscheine, dass ich zuverlässig bin, dass ich Kenntnisse in den Programmen habe, und wenn ich etwas nicht weiß, entweder selbst recherchiere oder nachfrage. Außerdem wurde festgestellt dass ich sehr gezielte Fragen stelle, dass ich genau weiß was ich will und was ich nicht will, und das ich sehr ungeduldig mit mir sei.
Die einen nennen es ungeduldig, ich nenne es zielstrebig. Aber was soll´s.
Es ärgert mich halt wenn ich nicht dahinter komme, warum etwas nicht funktioniert. Und ich glaube, Programme, oder generell Computer, sind dafür prädestiniert. Ich denke das kennt jeder, dass man nur mal schnell was am Rechner machen will und schwubbs, sind fünf Stunden vergangen weil hier was nicht funktioniert hat, und man da was nachlesen musste, damit es wieder läuft.

Naja, alles in Allem mache ich meine Sache wohl sehr gut. Ich hatte nichts anderes erwartet. Also soll jetzt mein Arbeitspensum langsam gesteigert werden. Im Moment arbeite ich vier Stunden am Vormittag. Darin enthalten sind 15 Minuten Pause. Da ich jetzt aber etwas mehr als fünf Stunden arbeiten soll, genau genommen fünf Stunden und fünf Minuten, soll es auch eine Mittagspause geben. Auf meine Bitte, keine ganze Stunde Mittagspause machen zu müssen, nur um dann noch eine Stunde zu arbeiten, wurde eingegangen. Lieber bin ich früher zu Hause und kann meinen Hund rauslassen. Mein Hund kann zwar wunderbar alleine sein, sie ist dann völlig entspannt, aber das tut ja nicht Not – wie der Hamburger zu sagen pflegt. Meine Vorgesetzte war damit einverstanden und meinte, ihr wäre das egal, sie müsse es nur im Team besprechen, was ich nachvollziehen kann.

Eigentlich war alles klar, bis sich herausstellte, dass sich ein Missverständnis eingeschlichen hatte. Ich schlug vor die Vormittagspause auf eine halbe Stunde zu verlängern, und dementsprechend früher nach Hause zu gehen, und meine nächste Vorgesetzte verstand, dass ich die viertel Stunde am Vormittag hätte und zusätzlich eine halbe Stunde Mittagspause machen soll. Soweit erstmal eigentlich kein großes Drama.Als es dann allerdings um die Argumentation ging, wurde ich zunehmend aufgebrachter, und mein Stresspegel stieg.

Zur Information: Das erste Gespräch fand mit der psychologischen Leitung, meiner Vorgesetzten und mir statt. Das darauffolgende Gespräch nur mit meiner Vorgesetzten und mir.

In diesem Gespräch verkündete sie mir dann, dass ich eine halbe Stunde Mittagspause machen müsse. Ich war erstmal verdutzt. Dann sagte ich ihr, dass wir doch drüber gesprochen hätten, und sie meinte, dass sie das anders verstanden hätte. Wie es die psychologische Leitung aufgefasste hatte wussten wir beide nicht. Dann wollte sie mir erklären warum ich eine halbe Stunde Mittagspause machen müsse. Ihre Argumente waren folgende:

  • Sie: Menschen mit einem besonderen Bedarf brauchen auch mehr Ruhezeiten.
  • Ich: Wir sprechen hier von fünf Stunden und fünf Minuten, und ich mache zwei Mal 15 Minuten Pause.
  • Sie: Aber wir haben auch Pause, und in dieser Zeit können sie niemanden fragen wenn sie etwas nicht wissen.
  • Ich: Wenn sie drei Stunden in einer Sitzung sind kann ich auch niemanden fragen. Abgesehen davon bin ich intelligent genug um selbst im Netz zu recherchieren oder in Büchern nachzuschlagen.
  • Sie: Es gibt auch Vorschriften von der Versicherung, die für ihre Klienten Sorge trägt.
  • Ich: Unnötiger Weise länger hier bleiben zu müssen stresst mich mehr, als eine kürzere Pause zu haben.
  • Sie: Wir müssen auch dafür sorgen dass wir unsere Mittagspause bekommen.
  • Ich: Das kenne ich aus meinem Beruf als Sozialpädagoge. Also seien sie versichert, dass ich sie in ihrer Mittagspause garantiert nicht stören werde. Wenn ich etwas gut kenne, dann ist es Abgrenzung im Beruf.
  • Sie: Ich sehe es aber auch nicht ein, ihnen mehr entgegenzukommen als den anderen.
  •  – und in diesem Moment dachte ich mir, da haben wir doch den Knackpunkt. –
  • Ich: Warum haben sie dass nicht gleich bei dem Gespräch gesagt?
  • Sie: Das entscheide ja nicht ich alleine. Wie ich ihnen sagte musste, ich das erst im Team besprechen.
  • Ich: Also war jemand aus dem Team dagegen.
  • Sie: – Keine Antwort –

Keine Antwort ist auch eine Antwort.
Oder wie Paul Watzlawick sagt:
„Mann kann nicht, nicht kommunizieren.“

Wir sind dann so verblieben, dass sie sich nochmal erkundigt wie die psychologische Leitung die Situation verstanden hat, und dann wieder auf mich zukäme.

Ich finde es ehrlich gesagt schwierig, ihr dieses Gespräch alleine zu überlassen, denn woher soll ich wissen, ob sie es nicht in eine bestimmte Richtung lenkt.
Am Dienstag werde ich es erfahren.

Ich hasse es wenn Menschen nicht ehrlich sind, und versuchen Gründe vorzuschieben, die vorgeben, für mein Wohl zu sorgen.

Es gibt bestimmt Menschen die solche Regeln benötigen, und das ist auch gut und wichtig. Und es gibt auch bestimmt Regeln die ich benötige. Aber mal ehrlich, wegen 15 Minuten Pause???? Echt jetzt?

Hätte sie gleich gesagt, dass sie nicht gewillt ist die Regeln wegen mir zu ändern, und hätte man mir nicht von Anfang an versichert, dass man hier auch individuell auf jemanden eingehen kann, und durchaus unterschiedliche Abläufe möglich sind, wäre das eine ganz andere Diskussionsgrundlage gewesen.

Was mich daran ärgert sind nicht die 15 Minuten. Klar, es wäre mir lieber. Aber was mich hauptsächlich zum Kochen bringt, ist die Art und Weise.

Man versucht logische und wertvolle Argumente zu bringen, nur um dahinter seine eigenen Bedürfnisse zu verstecken, die vielleicht nicht den gesellschaftlichen Werten entsprechen.

Man ist ja so ein guter Mensch und nur um das Wohl des anderen besorgt!

Am Arsch die Waldfee.

Soll sie doch zu ihren eigenen menschlichen Abgründen stehen. Damit kann ich definitiv besser umgehen als mit so einer beschissenen Lüge. Aber das traut sich keiner so wirklich.

Und irgendwie habe ich ein Talent dafür, Menschen mit ihren eigenen Unschönheiten zu konfrontieren. Das macht mich in den seltensten Fällen beliebt.
Also decke ich wohl meistens irgendwelche Wahrheiten auf, wenn man nach dem Anfangszitat von Jupp Müller geht, denn ich verärgere meistens jemanden damit.

 

Eure Frau L.

2 Antworten auf „„Wahrheiten, die niemanden verärgern, sind meist nur halbe.“ Jupp Müller

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