Traurigkeit ist nicht ungesund – sie hindert uns, abzustumpfen.“ George Sand

„Die Traurigkeit ist das Los der tiefen Seelen und der starken Intelligenzen“

Alexandre Rodolphe Vinet

Ich bin traurig. Ich komme von meinem Belastungstraining nach Hause, bin müde und habe auf nicht´sLust. Es gibt nicht´s worüber ich mich wirklich freue. Ich bin froh auf meinerTerrasse sitzen zu können, und am Wochenende kommt mich mein bester Freund
besuchen. Aber da ist so eine Grundtrauer. Die zieht sich durch alle Tage.

Wenn man sich dasauf einer Skala vorstellen würde, dann würde die Darstellung bei einem“normalen“ Menschen, ja ich weiß, was ist schon „normal“,so aussehen, dass seine Grundstimmung bei 0 liegt, und wenn er traurig ist,dann geht es in den Minus-Bereich. Ist dieser Mensch dann also traurig, gehtder Pegel auf -1 oder -2, oder eben je nachdem wie traurig er ist. Wenn sichdieser Mensch freut, dann in die entgegengesetzte Richtung. Je nach Freude danneben +1 oder +2, oder eben auch mehr.

Meine Grundstimmungliegt schon bei -2, gefühlt. Wenn mir also so was tolles passiert wie meinBesuch, der eine Aufhellung meiner Stimmung um 5 Punkte verbessert, dann liegtmein Freude-Wert gerade mal bei +3. Bei einem „normalen“ Menschenläge dieser Wert dann bei +5.

Das Ganze ist nurein Versuch das Gefühl zu verbildlichen, damit man es sich vielleicht etwasbesser vorstellen kann.

Heute ist wieder soein Tag an dem alles sinnlos erscheint. Ich mache dieses Belastungstraining.Aber wofür? Ich weiß ja noch nicht mal wie es weitergehen soll. Und ich bin somüde. Wenn ich mich jetzt hinlegen, und versuchen würde zu schlafen, würde meinKopf wieder rundlaufen. Wie ein hyperaktiver Hamster im Rad der nicht aufhörenwill. Und mein Körper fühlt sich schwer und träge an. Alles fühlt sich schwerund träge an. Sogar meine Mundwinkel. So hängen sie zumindest runter.Wahrscheinlich hängen da imaginäre Gewichte dran.

Im Moment weiß ichnoch nicht mal ob ich diesen Blog sinnvoll finden soll. Ist mir aber geradeauch egal. Ich schreib einfach. In der Hoffnung irgendetwas damit zu bewegen.Und wenn ich nur mich damit irgendwie, auf irgendeine Weise bewege. Zumindestmache ich schon mal etwas produktives und spiele nicht nur auf meinem Tabletrum. Das wäre auf jeden Fall wesentlich sinnloser.

Wenn niemand da ist,mit dem man sein Leben teilen kann. Wenn niemand da ist, der einen einfach malin den Arm nimmt. Ich hab lange überlegt ob ich das schreiben soll, denn ichwill hier nicht rumheulen, aber das ist nun mal auch ein Teil davon. Ein ziemlichgroßer sogar. Und ich wollte in diesem Blog ja von mir schreiben. Wie es mirgeht, was mich beschäftigt und wie ich damit umgehe.

Ich vergleiche denStart in ein Leben oft gerne mit einer Wanderung, oder Reise. Ein Mensch kommtauf die Welt. Dieser Mensch hat seine Eltern. Und diese Eltern statten denneuen Menschen mit etwas aus. Sie packen ihm einen Rucksack und zeigen ihm wieman mit dem Rucksack und dem Inhalt umgeht, bis dieser Mensch eines Tagesalleine loszieht. Mit seinem Rucksack. Dieser Rucksack ist im besten Fallgefüllt mit Liebe, Selbstvertrauen, Respekt, Halt, Aufmerksamkeit,Geborgenheit, Rücksicht, und vielleicht noch anderen Dingen die mir geradenicht einfallen. So kann sich der Reisende unterwegs immer wieder stärken. Under kann vielleicht sogar anderen etwas davon abgeben. Besonders wichtig istdieser Inhalt, wenn man mal eine sehr schwierige Etappe auf seiner Reise hat,und vor allem, wenn man auf seiner Reise alleine ist. Weil man vielleichtgerade in einer sehr einsamen Gegend unterwegs ist, oder die Menschen, denenman begegnet selbst nichts haben was sie einem abgeben könnten, oder Hilfebenötigen und man ihnen diese natürlich auch nicht verwehren will. Irgendwannwird die Etappe wieder leichter und man kann sich erholen.

Wenn nun ein Menschauf die Reise geht, oder geschickt wird, und nichts, oder kaum etwas in seinemRucksack hat, dann kommt er schnell an sein Limit. Trotzdem will er aber einemBedürftigen etwas abgeben, oder den Berg hinaufklettern. Genau so kommt er ineinsame Gegenden und trifft Menschen die ihm nichts abgeben können.

Und man muss sichden Inhalt des Rucksacks ungefähr so vorstellen. Um so mehr am Anfang drin ist,um so besser füllt er sich wieder auf. Wie wenn ich als Ausgangslage 10 Birnenhabe, die 20 ergeben wenn sie sich verdoppeln. Habe ich aber nur eine Birne, ergebensich daraus nur 2.

Und wenn man danneben niemanden hat bei dem man wieder auftanken kann, oder nicht genug, und mansich selbst auch nicht mehr auftanken kann, dann ist das Bisschen was manbekommt gleich wieder aufgebraucht.

Als Mensch hat manja auch ganz unterschiedliche Bedürfnisse, und nicht nur eines. Mal ganzabgesehen von den physischen Grundbedürfnissen wie Sauerstoff, Essen, Schlafen,Gesundheit, etc. Da gibt es ja auch noch die psychischen Bedürfnisse wieAnerkennung, Geborgenheit, Liebe, Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit, Freude,Gemeinschaft, etc.. Und nicht jeder Mensch kann einem vielleicht alles geben.

Bestimmt ist dasauch ein Grund warum ich versuche diesen Blog zu schreiben. Um etwasauszugleichen was im Ungleichgewicht ist. Ich will diese Trauer auch gar nichtübergehen oder verstecken, selbst wenn ich es könnte. Ich will sie vielmehrverstehen und verbessern. Wenn sie doch nur manchmal etwas leichter wäre.

Eure Frau L.

3 Antworten auf „Traurigkeit ist nicht ungesund – sie hindert uns, abzustumpfen.“ George Sand

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