Glaubenssätze

Ohne Fleiß, kein Preis.

Das wird doch nie was.

Dich will doch eh keiner.

Das versemmelst du sowieso wieder.

Das schaffst du nie.

Eigenlob stinkt.

 

Diese, und viele andere solcher Sätze kennen wir alle. Wir haben sie alle schon mal gehört. Und der ein oder andere dieser Sätze hat sich tief in unser Unterbewusstsein tätowiert. Glaubenssätze. Glaubenssätze sind richtige fiese Ratten. Sie tauchen immer wieder auf, aber meistens so, dass wir es gar nicht mitkriegen. Sie verstecken sich. Sie sind subtil. Sie sind leise. Sie tarnen sich.

Meine Glaubenssätze sind:

  • Was ist, wenn es (ich) nicht gut genug ist (bin)?
  • Ich schaffe es nicht.
  • Mich will doch eh keiner.

Mittlerweile kenn ich meine Glaubenssätze, bin mir ihrer bewusst, und weiß auch woher sie kommen. Aber ganz ähnlich wie bei den Triggern, darüber habe ich in einem anderen Beitrag geschrieben, hilft auch hier das bloße Wissen darum leider nicht all zu viel. Nicht nur was ich denke ist wichtig, sondern genau so was ich fühle.

Ich weiß dass ich es schaffen kann diesen Blog zu schreiben. Er wird nicht perfekt, aber ich bin durchaus in der Lage, etwas zu schreiben was sich auch lesen lässt. Vielleicht nicht immer, aber deswegen ist es ja nicht per se schlecht.

Und trotzdem gibt es so viele Tage, an denen ich mich gar nicht erst an einem Beitrag versuche, weil ich Angst habe er könnte nicht gut genug sein. Das Gefühl es nicht zu schaffen. Auch wenn mir mein Verstand ganz klar etwas anderes sagt. Und dann ist es oft wie eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Ich bin mal wieder erschöpft und müde, aber ich will mir beweisen dass ich es kann. Und dann machen meine Finger auf der Tastatur nur Quatsch, ich kann mich nicht konzentrieren, und den Scheiß will doch eh keiner lesen. Wen sollte denn interessieren was ich zu sagen habe?

Ah, da ist ja wieder mein Glaubenssatz.
Meine Mutter hat nie interessiert was ich zu sagen hatte. Aber DU bist ja nicht meine Mutter, oder? Und natürlich gibt es Menschen, die wahrscheinlich einen feuchten Dreck interessiert was ich hier tippe. Und es gibt bestimmt auch Menschen die das alles hier für den größten Bullshit halten. Aber wenn ich mir so anschaue, oder anhöre, welch geistigen Dünnpfiff so manch anderer von sich gibt, und trotzdem ein Publikum hat, warum sollte es dann nicht auch Menschen geben die es interessiert, was ich zu sagen habe? Und wenn es nur ein oder zwei sind. Scheiß drauf! Tu es einfach!

Man muss einfach nur an sich glauben!

Einfach! Immer dieses „Einfach“! Als wenn das alles so einfach wäre. Für manche Menschen ist es das ja vielleicht auch, und ich gönne es ihnen von Herzen. Aber für manch andere ist es eben nicht so.

Woher kommen die eigentlich, diese Glaubenssätze?

Nicht schön genug zu sein,
nicht religiös genug zu sein,
nicht gut genug zu sein,
zu dumm zu sein,
nicht fleißig genug zu sein
… usw.?

Als ich, als junges Mädchen, damit anfing mir über meine Berufswahl Gedanken zu machen, war für mich ganz klar ich werde mal eine ganz tolle Fotografin! Das war so lange klar für mich, bis meine Mutter dann zu mir sagte:

Und dann landest du beim Photo Porst und machst Bewerbungsbilder. Ist es das was du willst?“

Sie hat mir damit ganz klar zu verstehen gegeben, dass ich nicht gut genug bin um eine erfolgreiche Fotografin zu werden. Dass ich es nur bis zu den Bewerbungsbildern schaffe. Das es für mehr nicht reicht. Das ich es nicht drauf habe und auch nicht lernen kann.

Warum hat sie das getan? Weil sie ihre eigenen Glaubessätze hat. Sie hat es nicht mit böser Absicht gemacht. Sie wusste es einfach nicht besser. Sie hat sich allerdings auch nie reflektiert oder hinterfragt. Und sie tut es heute noch nicht. Egal was ich mache, es kann nicht gut genug für sie werden. Als ich meine erste Fotoserie veröffentlicht hatte, das war gute 20 Jahre später, habe ich sie ihr voller Stolz gezeigt.
Ihre Reaktion darauf:

„Und was willst du jetzt damit machen? Willst du die jetzt verkaufen oder was? Also für mich wär da ja nix dabei!“

Danke für´s Gespräch Mama!

Und selbst als ich mein Studium, mit einem Notendurchschnitt von 1,4, und einem Hauptschulabschluss als Ausgangslage, abgeschlossen hatte, hat es meine Mutter über ein kurzes und knappes „gut“ nicht hinausgeschafft. Sie hielt es auch nicht für nötig zu meiner Urkundenübergabe zu kommen, bei der andere Eltern ihre Sprösslinge mit stolz geschwellter Brust von Anfang bis Ende gefilmt haben, und hier noch ein Foto und da noch ein Küsschen. Zum Glück gab es meinen besten Freund, der sowohl Mutter wie Vater besser ersetzt hat, als sie es selbst je hätten tun können. Danke Du Guter!

Und obwohl ich schon lange nicht mehr von meiner Mutter abhängig bin, tut es immer noch weh. Und das es immer noch so weh tut, nervt mich exorbitant!!!! Das nervt mich so sehr, dass es mich schon wieder wütend macht. Und das wiederum regt mich so dermaßen auf, dass ich schon wieder drüber lachen muss. Was für ein elender Teufelskreis!

 

Eure Frau L.

 

 

6 Antworten auf „Glaubenssätze

  1. Pingback: Sinn und Unsinn

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